Florian Eib
Gäste der Audiodeskription im ISS DOME Düsseldorf. In zwei Reihen sitzen sehbehinderte und blinde Menschen mit ihren Begleitpersonen am Spielfeldrand. Sie haben Kopfhörer auf und verfolgen das Spiel durch eine Spielbeschreibung von Wolf Schmidt und Florian Eib.
Sehbehinderte und blinde Gäste nehmen gemeinsam mit ihren sehenden Begleitpersonen an einer öffentlichen Veranstaltung teil. Durch eine Hörbeschreibung, die sie per Kopfhörer empfangen, können sie den Geschehnissen folgen, Foto: Florian Eib.

Ich arbeite als unter anderem als Sprecher für Audiodeskription. Die langjährige Erfahrung mit dem Thema Sehbehinderung hat mich in meiner Arbeit geprägt. Seit 2014 arbeite ich an unterschiedlichen Projekten, zum Beispiel Sport-Audiodeskription live, Sport-Audiodeskription beim Fernsehen, Audiodeskription am Schauspiel Leipzig und Film-Audiodeskription. Ich bin Mitglied in der Vereinigung Deutscher Filmbeschreiber Hörfilm e. V.

Seit September 2019 bin ich Gesellschafter der HörMal Audiodeskription gUG, die sich für die Live-Audiodeskription bei öffentlichen Großveranstaltungen einsetzt. Ich berate Sie deshalb auch gerne, wenn Sie Ihre Veranstaltung mittels Audiodeskription inklusiv gestalten möchten.

Audiodeskription bedeutet übersetzt Hörbeschreibung. Es handelt sich um einen inklusive Service für Menschen mit einer Sehbehinderung. Menschen, die etwas nicht sehen können, bekommen eine Hilfe. Ich beschreibe ihnen mit Worten einfach alles Wichtige, was zu sehen ist. Ich übersetze dabei Bilder in Sprache.

Eine Audiodeskription kann eine Unterstützung für sehbehinderte oder blinde Menschen sein. So ähnlich wie ein Gebärdendolmetscher eine Unterstützung für Hörgeschädigte ist.

Als Sprecher einer Audiodeskription möchte ich ein „hörbares Bild“ entwerfen. Das Bild muss alle wichtigen Dinge enthalten, die zu sehen sind. Welche Dinge wichtig sind, entscheide ich selbst. Ich versuche dabei, mich in meinen Hörer oder meine Hörerin hineinzuversetzen: Welche Informationen sind besonders wichtig, um zu verstehen was gerade passiert?

Meistens bleibt für mich als Sprecher zu wenig Zeit, um alles zu erklären, was ich sehe. Ich muss deshalb kurz und prägnant sprechen. Manchmal muss ich auch sehr schnell sprechen oder Informationen weglassen. Trotz aller Kürze, versuche ich mit meiner Stimme auch passende Emotionen zu vermitteln, wenn mir das passend erscheint.

Audiodeskription beim Film

Hier beschreibe ich vor allem kurz und knapp, um den Text der Schauspielerinnen und Schauspieler nicht zu übersprechen. Zumeist beschreibe ich das Aussehen der Akteure, bestimmte Gesten und Bewegungen. Ich beschreibe auch Landschaftsaufnahmen oder Räume, wenn diese nicht durch die Schauspieler beschrieben werden.

Audiodeskription bei Kulturveranstaltungen

Hierzu zählen vor allem Theateraufführungen, Opern oder Musicals. Ich beschreibe hier im Vorhinein sehr detailliert das Bühnenbild und die Kostüme. Während des Stücks beschreibe ich alles, was wichtig ist, um die Handlung des Stücks zu verstehen, auch wenn man es nicht sehen kann. Ich versuche dabei, nicht den Text der Schauspielerinnen und Schauspieler zu übersprechen.

Audiodeskription beim Sport

Hier habe ich mehr zu tun. Ich bin die einzige Stimme, die etwas über das Sportereignis sagt. Wer hat genau den Ball? Wo befindet sich der Ball? Welche Farben haben die Trikots der Sportlerinnen und Sportler? Wer liegt in Führung? Wie sieht ein Dreisprung aus? Wie wurde der Ball gehalten oder wo ist er genau ins Tor gegangen? Ich muss die ganze Zeit beschreiben, was ich sehe. Wenn ich das nicht tue, dann haben meine Hörerinnen und Hörer kaum eine Chance, etwas mitzubekommen. Die Audiodeskription beim Sport klingt deshalb ein wenig wie eine Radioreportage. Sie ist aber im besten Fall wesentlich genauer.

  • Eine Mannschaft ist nicht nur im Angriff, sondern: „Thomas Müller treibt den Ball drei Meter neben der rechten Seitenlinie über die Mittellinie.“
  • Ein Torwart pariert einen Ball nicht nur, sondern: „lenkt den Ball knapp mit den Fingerspitzen unten rechts am Tor vorbei.“

Um die Sportarten gut beschreiben zu können, muss ich diese auch gut kennen. Jede Sportart ist ein wenig anders und kann deshalb auch anders beschrieben werden. Stimmlich bin ich vor allem wegen der Lautstärke vieler Sportveranstaltungen gefordert. 

Sehende Menschen sind es gewöhnt, sich auf ihre Augen zu verlassen. Das zu beschreiben, was wir sehen fällt uns deshalb oft schwer. Wir sind es nicht gewöhnt. Deshalb muss man das Beschreiben von Dingen, die man sieht, üben. Denn das wird von mir bei einer Audiodeskription erwartet. Um besser zu wissen, welche Informationen ein blinder Mensch braucht, „um sich ein Bild zu machen“, unterhalte ich mich viel mit sehbehinderten oder blinden Menschen. Jeder hat unterschiedliche Vorlieben. Einige Dinge werden aber von allen erwartet. Diese Dinge sollte ich also zuerst beschreiben und auf keinen Fall vergessen. Dabei reicht es manchmal auch, wenn ich die Vorstellungskraft meiner Hörerinnen und Hörer anrege.