Florian Eib

Ich arbeite unter anderem im Bereich Audiodeskription. Zu dieser Arbeit gehört das Schreiben und Sprechen von Texten. Seit 2014 bin ich an unterschiedlichen Projekten beteiligt, z. B. Sport-Audiodeskription live, Sport-Audiodeskription beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen, Audiodeskription am Schauspiel Leipzig, Film-Audiodeskription.

Audiodeskription ist ein inklusiver Service für Menschen mit einer Sehbehinderung. Audiodeskription kann auch Hörbeschreibung genannt werden. Menschen, die etwas nicht sehen können, bekommen eine Hilfe. Ich beschreibe ihnen einfach alles Wichtige, was zu sehen ist. Ich übersetze dabei Bilder in Sprache.

Als Sprecher einer Audiodeskription möchte ich ein „hörbares Bild“ entwerfen. Das Bild muss alle wichtigen Dinge enthalten, die zu sehen sind. Welche Dinge wichtig sind, entscheide ich selbst. Ich versuche dabei, mich in meinen Hörer oder meine Hörerin hineinzuversetzen: Welche Informationen sind besonders wichtig, um zu verstehen was gerade passiert?

Meistens bleibt für mich als Sprecher zu wenig Zeit, um alles zu erklären, was ich sehe. Ich muss deshalb kurz und prägnant sprechen. Manchmal muss ich auch sehr schnell sprechen oder Informationen weglassen. Trotz aller Kürze, versuche ich mit meiner Stimme auch passende Emotionen zu vermitteln, wenn mir das passend erscheint.

Audiodeskription beim Film

Hier beschreibe ich vor allem kurz und knapp, um den Text der Schauspieler nicht zu übersprechen. Zumeist beschreibe ich das Aussehen der Schauspieler, bestimmte Gesten und Bewegungen. Ich beschreibe auch Landschaftsaufnahmen oder Räume, wenn diese nicht durch die Schauspieler beschrieben werden.

Audiodeskription bei Kulturveranstaltungen

Hierzu zählen vor allem Theateraufführungen, Opern oder Musicals. Ich beschreibe hier im Vorhinein sehr detailliert das Bühnenbild und die Kostüme. Während des Stücks beschreibe ich alles, was wichtig ist, um die Handlung des Stücks zu verstehen, auch wenn man es nicht sehen kann. Ich versuche dabei, nicht den Text der Schauspieler zu übersprechen.

Audiodeskription beim Sport

Hier habe ich mehr zu tun. Ich bin die einzige Stimme, die etwas über das Sportereignis sagt. Welcher Spieler hat den Ball? Wo ist der Ball genau? Wie hat der Torwart den Ball gehalten? Welche Farben haben die Trikots der Sportler? Wer liegt in Führung? Wie sieht ein Dreisprung aus? Ich muss die ganze Zeit beschreiben, was ich sehe. Wenn ich das nicht tue, dann hat mein Hörer kaum eine Chance, etwas mitzubekommen. Die Audiodeskription beim Sport klingt deshalb ein wenig wie eine Radioreportage. Sie ist aber im besten Fall wesentlich genauer. So ist eine Mannschaft nicht unbedingt nur im Angriff, sondern: „Thomas Müller treibt den Ball drei Meter neben der rechten Seitenlinie über die Mittellinie.“ Ein Torwart pariert einen Ball nicht nur, sondern: „lenkt den Ball knapp mit den Fingerspitzen unten rechts am Tor vorbei.“ Um die Sportarten gut beschreiben zu können, muss ich diese auch gut kennen. Jede Sportart ist ein wenig anders und kann deshalb auch anders beschrieben werden. Für meine Stimme ist eine Audiodeskription beim Sport auch eine Herausforderung, weil ich meistens lange, laut und mit großer Emotion spreche.

Sehende Menschen sind es gewöhnt, sich auf ihre Augen zu verlassen. Das zu beschreiben, was wir sehen fällt uns deshalb oft schwer. Wir sind es nicht gewöhnt. Deshalb muss man das Beschreiben von Dingen, die man sieht, üben. Denn das wird von mir bei einer Audiodeskription erwartet. Um besser zu wissen, welche Informationen ein blinder Mensch braucht, „um sich ein Bild zu machen“, unterhalte ich mich viel mit blinden Menschen. Jeder hat unterschiedliche Vorlieben. Einige Dinge werden aber von allen erwartet. Diese Dinge sollte ich also zuerst beschreiben und auf keinen Fall vergessen. Dabei reicht es manchmal auch, wenn ich die Vorstellungskraft meiner Hörer anrege. Audiodeskription soll eine Unterstützung für blinde Menschen sein. So ähnlich wie ein Gebärdendolmetscher eine Unterstützung für Hörgeschädigte ist.