Florian Eib
Im Vordergrund Moderator Florian Eib mit blauem Hemd und Moderationskarten in der Hand. Im Hintergrund mehrere Bühnengäste, die in die Hände klatschen.
Das Motto des Festivals – ein Statement: „Alle inklusive dir“, Foto: Tomke Koop.

Louis Braille war ein umtriebiger Franzose, der uns heute als der Erfinder der Blindenschrift bekannt ist. Nach ihm ist Europas größtes Festival für sehbehinderte und blinde Menschen benannt. Es findet alle zwei Jahre unter Organisation des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e. V. (DBSV) statt.

In diesem Jahr findet das Louis-Braille-Festival in Leipzig statt. Seit etwa zwei Jahren bereiteten sich die Stadt, zahlreiche Kultureinrichtungen (Museen, Schauspielhäuser) und natürlich die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB), die älteste Blindenbücherei Deutschlands, akribisch auf dieses Wochenende (05. bis 07. Juli) vor. Die DZB feiert in diesem Jahr übrigens 125-jähriges Bestehen, auch das ein Anlass, der zum Feiern anregt.

Leipzig zeigt sich

Das Louis-Braille-Festival ist eine Art Szenetreffen vieler engagierter Menschen, die es sich zur Aufgabe gesetzt haben, für das Thema „Menschen mit Behinderung“ zu sensibilisieren und die Angebote zur Teilhabe und Inklusion schaffen. Dazu gehören zum Beispiel inklusive Museumsführungen, bei denen man die Exponate über einen Audioguide detailgenau beschrieben bekommt und sie im besten Fall sogar ertasten darf. Mehrere Theaterhäuser haben das Festival zum Anlass genommen, sich mit dem Thema Audiodeskription zu befassen und entsprechende Theaterstücke zu inszenieren und zu präsentieren. Das freut mich besonders. Denn so wird Kultur auf vielfältige Art und Weise für alle erlebbar.

Lange Vorbereitungszeit

Das Louis-Braille-Festival in Leipzig hat die gesamte Stadt beschäftigt. Es gab zahlreiche Formen von Bühnenkunst, verschiedenste Aussteller informierten in der Kongresshalle am Zoo Leipzig, dem Hauptveranstaltungsort über Entwicklungen, Möglichkeiten und Angebote für Menschen mit einer Sehbehinderung. Etwa zwei Jahre im Voraus wurde das Festival geplant.

Es wurde eine eigene und sehr übersichtliche Website mit allen wichtigen Informationen und Angeboten erstellt, ein Klick lohnt sich auch nach der Veranstaltung noch: www.leipzig-inklusive.de. Außerdem informiert auch der DBSV unter: https://www.dbsv.org/louis-braille-festival.html.

Zur Vorbereitung des Festivals konnte auch ich schon vor einiger Zeit etwas beitragen: Für die Kongresshalle und den Zoo Leipzig konnte ich eine Art kreativen Audioguide / Audiospaziergang entwerfen. Ziel dabei war es, dass sich die Festivalteilnehmer*innen an diesem Wochenende besser zurechtfinden.

An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an den Zoo Leipzig und Leipziger Messe GmbH für die unkomplizierte Zusammenarbeit!

Barrieren in den Köpfen abbauen!

Insgesamt werden zum Festival-Wochenende etwa 3.000 Gäste, die meisten davon Menschen mit einer Sehbehinderung, aus ganz Deutschland erwartet. Ich freue mich darauf, viele bekannte Gesichter wiederzusehen. Natürlich bietet dieses Festival aber auch die einmalige Gelegenheit für jeden, der sonst noch nicht allzu viele Berührungspunkte mit dem Thema Sehbehinderung oder auch allgemeiner mit Menschen mit Behinderung hatte, dabei zu sein, in Kontakt zu treten und allein dadurch schon, Barrieren in den Köpfen abzubauen.

Auf Bierbänken setzen mehrere Menschen. Sie schauen zu einer großen Bühne. Einige haben einen Blindenstock dabei.
Sommerliche Temperaturen laden ein, es ist nicht zu warm, leicht wolkig, Regen verschonte uns, Foto: Tomke Koop.

Da kann ja jede*r kommen …​

… unter diesem Motto stand die zweistündige Samstagabendveranstaltung auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz, die ich gemeinsam mit dem Autor und Musiker Christian Meyer moderieren darf. Live-Musik gibt es vom fantastischen Raul Midón, und DOTA

Im Vordergrund ein Mann mit einem Kopfhörer. Er steht neben einem Laptop und hört sich eine Handball-Audiodeskription an.
Am Stand des SC DHfK Leipzig: Peter Lomb erklärt Audiodeskription beim Handball, Foto: Tomke Koop.

Neben dem Abendprogramm gab es bereits am Nachmittag den so genannten „Markt der Möglichkeiten“. Etwa 20 Aussteller zeigen ihre Angebote und Ideen im Umgang mit Menschen mit Behinderung – natürlich war auch unser Spielbeschreiber-Team vom SC DHfK Leipzig dabei. Mitten im Herzen der Stadt sollte sie sein, die Abendshow des Louis-Braille-Festivals. „Wir sind zusammen in der Mitte“, könnte man interpretieren. Eine Botschaft, die man nicht oft genug senden kann.

Live-Übertragung im MDR

Insgesamt war es ein gelungener Abend mit vielen tollen Künstlern, Musik, Tanz und Talk und knapp 3000 Gästen. Besonders wichtig erschien mit auch die Live-Übertragung des MDR. Denn die mediale Berichterstattung mit und über Menschen mit Behinderung kann dazu beitragen kann, dass dieses wichtige Thema mehr in den gesellschaftlichen Fokus rückt. Außerdem freut es mich, dass dass das Programm somit auch noch nachträglich erlebt werden: https://www.mdr.de/mediathek/mdr-plus-videos/video-317368.html.